Substitutionsprüfung von Gefahrstoffen

News vom: 26.11.2020

Unser Gefahrstoffexperte Vincenzo Lagani klärt den Unterschied zwischen Substitutionsprüfung und Substitution, räumt mit weit verbreiteten Irrtümern auf und zeigt Ihnen, wie Sie es richtig machen.

Wenn Mitarbeiter mit Gefahrstoffen umgehen, gilt es die Gefahrstoffverordnung umzusetzen. Diese regelt die Pflichten sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Eine besondere Rolle spielen dabei die Grundpflichten, welche in § 7 beschrieben werden. Sie sind umzusetzen, sobald Mitarbeiter im Rahmen ihrer Tätigkeit mit Gefahrstoffen in Kontakt kommen. Ein häufig vernachlässigter Punkt aus diesen Grundpflichten ist die Substitutionsprüfung.

 

Begriffsklärung

In der Praxis wird die Substitutionsprüfung häufig als Substitution interpretiert. Die Begriffe werden miteinander verwechselt, dabei besagen sie nicht das Gleiche. Die Gefahrstoffverordnung fordert im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung „zunächst“ eine Substitutionsprüfung, also eine Prüfung auf die Möglichkeit einer Substitution.

Eine spätere Durchführung, die Substitution selbst, gilt als vorrangige Maßnahme, wenn es darum geht, die Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten zu verbessern. Sie kann jedoch erst nach einer vorheriger Substitutionsprüfung erfolgen. Die Substitutionsprüfung hat vor Aufnahme der Tätigkeit zu erfolgen. Sie ist Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“. Daher werden Sie bereits bei den ersten Schritten mit dem Thema konfrontiert.

 

Weit verbreitete Irrtümer

Eine Substitutionsprüfung führt nicht zwangsläufig zur Substitution eines oder mehrerer Gefahrstoffe. Sie kann auch zu dem Ergebnis führen, dass eine Substitution nicht möglich ist. In der Praxis werden Aussagen, wie z.B. „Substitution? Das geht bei uns nicht!“ gerne pauschal genannt. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass die Gründe für ein Ergebnis dieser Art begründet und schriftlich festgehalten werden müssen. Es kann nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass im eigenen Betrieb eine Substitution nicht durchgeführt werden kann.

Ebenso herrscht in der Praxis häufig die Auffassung, dass die Substitutionsprüfung einen enormen Zeitaufwand mit sich bringt und somit für die Firma eine finanzielle Belastung darstellt. Dabei wird nicht in Erwägung gezogen, welche Vorteile eine Substitution auch wirtschaftlich mit sich bringen kann. Neue Produktionsverfahren zu etablieren spielt diesbezüglich eine wichtige Rolle. Diese können den Arbeitsprozess verkürzen und/oder die Qualität des Produktes verbessern. Diese positiven Effekte können nur dann wirksam werden, wenn man sich mit einer Änderung des bestehenden Prozesses auseinandersetzt. Hier kann das Ziel, einen gefährlichen Stoff im Unternehmen zu substituieren, genau der entscheidende Auslöser sein. Eine Erleichterung oder der Entfall von Schutzmaßnahmen kann dem Unternehmen Kosten sparen bspw. durch:

  • Geringere Anforderungen an die Lagerung
  • Entfall von wiederkehrenden Prüfkosten
  • Keine oder geringere Anforderungen an persönliche Schutzausrüstungen

Dies ist nur ein kleiner Auszug von Möglichkeiten, wie durch die Substitutionsprüfung und deren Umsetzung Kosten eingespart werden können.

 

Unterschiedliche Einflussfaktoren und ihre Auswirkungen

Bekommen Sie bspw. von Ihrem Hersteller oder Lieferanten einen Ersatzstoff empfohlen und möchten diesen nun mit dem bisher eingesetzten gefährlichen Stoff vergleichen, sollten Sie beachten, wie dieser Stoff in den Arbeitsprozess integriert ist bzw. welche Tätigkeiten mit diesem Stoff durchgeführt werden. Es ist naheliegend, dass im ersten Schritt mögliche Gesundheitsgefahren betrachtet werden. Stellt man im Vergleich eine Verbesserung fest, also den Einsatz eines Ersatzstoffes mit einer geringeren oder gar keinen Gesundheitsgefährdung, kann man zu dem Ergebnis kommen, den bisherigen gefährlichen Stoff durch den neuen Ersatzstoff auszutauschen.

Jedoch sollten auch andere Einflussfaktoren zur Beurteilung hinzugezogen werden. Verlangt der Arbeitsprozess den Einsatz dieses gefährlichen Stoffes ohne direkten Kontakt mit einem Mitarbeiter, finden die Gesundheitsgefahren keine große Gewichtung in der Beurteilung. Befindet sich der Arbeitsbereich allerdings in einem explosionsgefährdeten Bereich, müssen die physikalischen Gefährdungen im Vordergrund betrachtet werden, um eine mögliche Brand- und Explosionsgefährdung ausschließen zu können.

 

So machen Sie es richtig

Es wird deutlich, dass bei einer Substitutionsprüfung mehrere Blickwinkel und Einflussfaktoren betrachtet werden müssen. Für eine erfolgreiche Durchführung sollten daher verschiedene Akteure mit einbezogen werden.

Neben den technisch verantwortlichen Personen, um den betrieblichen Anforderungen an den Arbeitsprozess und der Produktqualität gerecht zu werden, sollten Sie auch Ihren Hersteller bzw. Ihren Lieferanten kontaktieren. Diese können Ihnen möglicherweise Ersatzstoffe anbieten, welche eine geringere oder bestenfalls gar keine Gefährdung aufweisen.

Ebenso sollten Sie regelmäßig auf branchenspezifische Veröffentlichungen achten. Ein neuer innovativer Arbeitsprozess kann auch durch die zuständigen Ämter in Form einer technischen Regel für Gefahrstoffe publik gemacht werden und dient als Handlungshilfe für Unternehmen in der jeweiligen Branche.
Wie bei allen Themen den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz betreffend, liegt die Verantwortung auch in Bezug auf die Durchführung einer Substitutionsprüfung bei der jeweiligen Führungskraft oder bei der Geschäftsleitung. Sie müssen sich darum kümmern, dass die Gefährlichkeit der eingesetzten Stoffe beurteilt und je nach Ergebnis eine Substitutionsprüfung angestoßen wird.

Da sich die Fachkraft für Arbeitssicherheit fachlich sehr gut mit Gefahrstoffen auskennt und mit der Methode der Substitutionsprüfung vertraut ist, bietet es sich an, dass sie den Prozess vorbereitet und moderiert. Auch der Betriebsarzt kann mit seiner Expertise einen wichtigen Beitrag zu einer erfolgreichen Durchführung leisten.

 

Checkliste:
  • Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen
  • Verschiedene Akteure in die Substitutionsprüfung einbeziehen
  • Substitutionsprüfung durchführen und dokumentieren
  • Auf branchenspezifische Veröffentlichungen achten



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